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2# Olis Reisetagebuch

Bis zur Landung

Am 11. Oktober 2018 hatte ich meiner Mama eine SMS mit dem Inhalt "ich glaube, ich will auf den Jakobsweg" geschickt.

Seit diesem Tag habe ich mich darauf vorbereitet. Sprich, ich habe mir jeden Tag Gedanken darüber gemacht.

Am 04. Dezember 2018 habe ich den Rucksack bestellt, am 06. Dezember 2018 habe ich den Flug gebucht. Fast jeden Tag habe ich im Internet so viel über mein Vorhaben gelesen, wie ich finden konnte. Ich habe Packlisten studiert, Erfahrungsberichte in anderen Blogs gelesen und ich habe alle Roman über den Jakobsweg als Hörbuch gehört.

Dadurch, dass ich allen von Anfang an erzählt habe, dass ich auf den Jakobsweg gehen werde, damit es schwieriger wird einen Rückzieher zu machen, wurde ich auch ständig darauf angesprochen.

Ich habe mich intensiv mit meinen Ängsten auseinandergesetzt, mir Strategien angeeignet, wie ich diese überwinden kann. Ich habe sogar eine Baumhypnose geübt, damit ich am Flughafen nicht direkt wieder umdrehe, wenn ich auf meinen Flug warten muss.

Fast genau ein halbes Jahr lief das so.

 

Ostersonntag, 21. April 2019 - der Tag vor der Abreise

Ich hatte erwartet, dass ich unglaublich aufgeregt sein werde. Dazu hatte ich aber keine Zeit. Irgendwie kam diese Aufregung nicht, mit der ich so fest gerechnet hatte. Ich wuselte den ganzen Tag herum, packte alles nochmal neu und versuchte, meine fette Erkältung noch innert 24 Stunden weg zu meditieren.

Ich verbrachte den Abend mit meinen Liebsten im Garten am Lagerfeuer und ich wurde das Gefühl nicht los, dass alle anderen aufgeregter waren als ich.

Nach dem Abendessen brachte ich meinen Hund zu meiner Mama. Das hat mir wirklich fast das Herz gebrochen. Noch nie musste ich Finn für so lange Zeit abgeben. Am liebsten hätte ich ihn in meinen Rucksack gepackt und mitgenommen.

Jetzt war ich zwar traurig aber immer noch nicht aufgeregt.

Ich hatte noch sehr viel zu tun. Mein Rucksack war immer noch nicht final gepackt und auch mein Zimmer war noch nicht so, wie ich es nach der Reise vorfinden wollte.

Als ich dann doch irgendwann alles erledigt hatte, fuhr ich alleine in die Stadt um Geld abzuheben und an der Tanke noch Zigaretten und ein paar Snacks zu kaufen.

Es tat mir ganz gut, mal kurz alleine zu sein.

Meine Henkersmahlzeit war ein schlechter Döner. Irgendwie haben wir nicht darüber nachgedacht, was wir Sonntagabend kochen würden, also wurde Essen bestellt.

Irgendwann hatte ich dann alles gepackt und war bereit für den Start. (Na ja.. so bereit wie halt irgendwie möglich war)

 

Um 02:30 Uhr klingelte dann auch schon der Wecker.

Ich war sofort hell wach. Ich hatte ungefähr dreieinhalb Stunden geschlafen, war aber trotzdem irgendwie top fit.

Irgendwie hatte ich das Bedürfnis, mich für die Reise etwas hübsch zu machen. Also glättete ich (zum letzten Mal für unbestimmte Zeit) meine Haare und trug ein Bisschen Maskara auf. Ich fühlte mich sofort besser. Dann packte ich die Sachen, die ich morgens noch gebraucht hatte ein und weckte meinen Freund.

Wir luden meinen Rucksack ins Auto und los ging es. Ich hab mich dann selber zum Flughafen gefahren, weil ich unbedingt etwas zu tun haben musste. Nur auf dem Beifahrersitz sitzen und nichts tun war gerade nicht möglich.

Schweren Herzens habe ich mich entschieden, dass mich Marc nur bis vor den Flughafen begleitet und nicht mit rein kommt um mit mir zu warten. Ich hatte Angst, dass ich dann im Flughafen einen hysterischen Zusammenbruch hätte.

Also verabschiedeten wir uns vor dem Flughafen, ich drehte mich um und ging rein, ohne mich nochmal umzudrehen. Dabei ist das Titelfoto entstanden, welches Marc in meine "Olis Jakobsweg" WhatsApp Gruppe geschickt hat mit den Worten "Und da geht sie... auf geht die Reise. Viel Glück mein Schatz".
Könnt Ihr Euch vorstellen, was ich für einen Kloss im Hals hatte?

 

Da stand ich nun ganz alleine mit meinem Rucksack und wusste nicht, wie ich jetzt einen Grund finden kann umzudrehen.

Ich bereute es sofort, mich dafür entschieden zu haben.

Trotzdem wollte ich es jetzt durchziehen.

Da der Rucksack mit all den Schnallen und Bändern zu gross für das Handgepäck war, gab ich ihn auf. In einem Turnbeutel hatte ich alle Sachen, die ich für den Flug (und den Notfall, wenn mein Rucksack nicht ankommt) brauchte.

Beim Gate angekommen habe ich tatsächlich auch schon erste andere Pilger gesehen. Man erkennt sie an den Muscheln und vor allem an den Reiseführern. Ich hab mich aber nicht getraut, jemanden anzusprechen.

Der Flug lief problemlos und ich landete um 07:55 in Porto. Auch mein Rucksack kam ohne Zwischenfälle an.

 

Da stand ich nun. Zum ersten Mal in meinem Leben ganz allein in einem fremden Land. Ohne zu wissen, was genau auf mich zukommt. Ich hatte aber den Flug überlebt. Da ich anfangs auch daran gezweifelt hatte, gab mir diese Tatsache einen kleinen Booster und ich trat mit meinem Rucksack namens Eliot und meinem Eichhörnchen aus dem Flughafengebäude.

Bereit das Abenteuer zu starten. 

 



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